Perspektiven der spanischen Wirtschaft für 2026
Das Jahr 2026 beginnt mit günstigen Aussichten für die spanische Wirtschaft, sowohl aus Sicht der wichtigsten internationalen Organisationen als auch aus der Perspektive der bereits in Spanien tätigen deutschen Unternehmen.
1. Einschätzung internationaler Analysten
Der Internationale Währungsfonds (IWF), die OECD und die Europäische Zentralbank (EZB) zählen Spanien zu den Volkswirtschaften mit den höchsten erwarteten Wachstumsraten innerhalb der Eurozone im Jahr 2026.
In seinem jüngsten World Economic Outlook prognostiziert der IWF für 2026 ein Wachstum des spanischen Bruttoinlandsprodukts (BIP) von rund 2,3 %. Diese Einschätzung deckt sich weitgehend mit den Prognosen der OECD (2,2 %) und der EZB (2,3 %). Damit würde Spanien deutlich über dem durchschnittlichen Wachstum der Eurozone liegen und seine Position als einer der dynamischsten Märkte im europäischen Umfeld weiter stärken.
Auch die Inflationsentwicklung zeigt eine Tendenz zur Normalisierung. Für 2026 wird eine moderat verlaufende Jahresinflation erwartet: IWF und EZB gehen von etwa 2,0 % aus, die OECD von 2,3 %. Dieses Szenario schafft ein vergleichsweise planbares Umfeld für Investitionsentscheidungen und die mittelfristige Unternehmensplanung.
Der weniger positive Aspekt bleibt der Arbeitsmarkt. Trotz einer schrittweisen Verbesserung wird die Arbeitslosenquote weiterhin deutlich über dem Durchschnitt der Eurozone liegen: Der IWF prognostiziert rund 11 %, die EZB etwa 10 %. Gleichwohl stellen diese Werte eine leichte Verbesserung gegenüber dem aktuellen Niveau dar, das noch über 11 % liegt, und bestätigen den Trend eines allmählichen Abbaus der strukturellen Arbeitslosigkeit.
2. Geschäftsklima unter deutschen Unternehmen
Die Deutsche Handelskammer für Spanien (AHK Spanien) hat Ende des vergangenen Jahres ihr AHK Spanien Barometer veröffentlicht, das regelmäßig die Einschätzungen und Erwartungen der Mitgliedsunternehmen aus Schlüsselbranchen wie Industrie, Handel und Dienstleistungen erfasst.
Hinsichtlich der aktuellen wirtschaftlichen Lage der befragten Unternehmen bewerten 41,3 % ihre Situation als „gut“, gegenüber 37,9 % vor einem Jahr. Gleichzeitig ist der Anteil negativer Einschätzungen von 18,2 % auf 12,7 % gesunken. Dies bestätigt eine schrittweise Verbesserung des unternehmerischen Umfelds.
In Bezug auf die erwartete Entwicklung der eigenen wirtschaftlichen Lage in den kommenden zwölf Monaten rechnet die Mehrheit der Unternehmen mit einer Stabilisierung oder Verbesserung. Lediglich 12,7 % erwarten eine Verschlechterung, gegenüber 16,7 % im Vorjahr. Dies deutet auf eine abnehmende Risikowahrnehmung bei bereits etablierten Marktakteuren hin.
3. Erwartungen an die spanische Gesamtwirtschaft
Die befragten deutschen Unternehmen zeichnen ein insgesamt relativ stabiles makroökonomisches Bild, wenngleich mit differenzierten Einschätzungen. 55,6 % der Unternehmen erwarten, dass sich die wirtschaftliche Lage Spaniens in den nächsten zwölf Monaten nicht wesentlich verändert. 19 % gehen von einer Verbesserung aus, während 25,4 % eine Verschlechterung erwarten. Diese Werte liegen sehr nahe an denen des Vorjahres (19,7 %, 54 % bzw. 25,8 %).
Dieses Muster weist auf eine Kombination aus Vorsicht und Vertrauen hin: Es wird kein abrupter Konjunkturwechsel erwartet, gleichzeitig wird jedoch eine ausreichend solide Wachstumsbasis gesehen, um bestehende Aktivitäten aufrechtzuerhalten oder auszubauen.
4. Investitionen und Beschäftigung: Anzeichen von Dynamik
Ein besonders relevanter Indikator für Investoren und Berater ist die erwartete Entwicklung der lokalen Investitionen.
Vor einem Jahr rechneten lediglich 24,2 % der Unternehmen mit einer Ausweitung ihrer Investitionen in Spanien, während rund 20 % einen Rückgang oder einen vollständigen Investitionsverzicht in Betracht zogen.
Aktuell erwarten 31,7 % der Unternehmen eine Erhöhung ihrer Investitionen, während nur noch 17,5 % von einer Verringerung ausgehen. Dies spiegelt eine gestiegene Investitionsbereitschaft im spanischen Markt wider.
Auch im internen Arbeitsmarkt der Unternehmen zeigt sich ein positives Bild. 41 % der Unternehmen planen einen Personalaufbau, weitere 41 % wollen ihre Belegschaft konstant halten, und lediglich 18 % rechnen mit einem Personalabbau. Im Vergleich zu 2024 ist eine leichte Verbesserung erkennbar: Damals planten 36,4 % einen Beschäftigungsaufbau, während 19,7 % einen Abbau erwarteten.
5. Risiken für 2026
Trotz des insgesamt günstigen Umfelds bestehen weiterhin Risiken, die von den in Spanien tätigen deutschen Unternehmen aufmerksam beobachtet werden. Mit deutlichem Abstand wird der „wirtschaftliche und politische Rahmen“ als größtes Risiko wahrgenommen, dessen Bedeutung innerhalb eines Jahres von 55 % auf 70 % gestiegen ist. Es folgen die „Nachfrage“ (62 %), der „Mangel an qualifizierten Arbeitskräften“ (46 %), die „Arbeitskosten“ (30 %) und die „Rechtssicherheit“ (19 %). „Handelshemmnisse“ werden im Vergleich dazu als weniger relevant eingeschätzt (17 %).
6. Schlussfolgerungen für Unternehmen und Investoren
Für bereits in Spanien tätige Unternehmen erhöht das überdurchschnittliche Wirtschaftswachstum in Kombination mit einer moderaten Inflation die Attraktivität des Standorts zur Konsolidierung und Erweiterung bestehender Projekte. Gleichzeitig deuten die im AHK Spanien Barometer aufgezeigten Verbesserungen bei Investitions- und Beschäftigungsplänen auf ein wettbewerbsintensives, aber dynamisches Umfeld hin, insbesondere in kapital- und wissensintensiven Branchen.
Für neue Investoren bietet Spanien eine interessante Kombination aus Marktgröße, vollständiger EU-Integration und vergleichsweise soliden Wachstumsperspektiven im Vergleich zu anderen Ländern der Eurozone. Allerdings erfordern die weiterhin hohe strukturelle Arbeitslosigkeit, Spannungen im Markt für qualifizierte Fachkräfte sowie die zentrale Bedeutung des wirtschaftlichen und politischen Rahmens als Hauptrisiko eine sorgfältige Planung und eine kontinuierliche Beobachtung der regulatorischen Entwicklung.
Aus rechtlicher Sicht ist die Beachtung der Rechtssicherheit und möglicher regulatorischer Änderungen von entscheidender Bedeutung für die strukturierte Gestaltung von Investitionen, Joint Ventures und M&A-Transaktionen. Auch wenn die Rechtssicherheit nicht zu den am höchsten wahrgenommenen Risiken zählt, stellt sie einen wesentlichen Faktor bei der Bewertung langfristiger Projekte und bei der Ausgestaltung effizienter und stabiler Gesellschaftsstrukturen dar. Eine wirtschaftliche und rechtliche Beratung mit fundierter Marktkenntnis kann daher entscheidend dazu beitragen, diese Perspektiven in konkrete und erfolgreiche Investitionsentscheidungen umzusetzen.